East meets West, Okzident trifft Orient / 1

Monatsbeitrag Januar 2021: Meditation und die 12 Sinne

Von Peter W. Köhne

Wie meditiere ich richtig?

Gleich vorweg … Beim Meditieren gibt es kein richtig oder falsch. Aber es gibt hunderte von Arten und Techniken in der Meditation, ob aktiv oder passiv. Letztendlich kann in jeder täglichen Situation meditiert werden, im Beruf, im Haushalt, in der Freizeit, das Feld ist völlig offen. Grundbestandteil einer jeden Meditation ist die Achtsamkeit. Allein achtsam eine Tür aufzuschließen, dabei die Haptik und die Temperatur des Schlüssels wahrzunehmen, den Widerstand im Schloss zu spüren, wenn die einzelnen Sperren gelöst werden und zu hören, wenn das Schloss die Tür freigibt, kann schon Meditation sein.

Im vergangenen Jahr hatten wir uns die 12 Sinne etwas näher angeschaut, auch diese Sinne können aktiv in eine Meditation eingebunden werden. Wählen wir also ein bestimmtes Thema, über das wir meditieren wollen und beginnen:

Vorbereitung

Die Umgebung, die Kleidung und das körperliches Wohlbefinden spielt eine Rolle. Geeignet wäre zum Beispiel ein Raum, der eine schlichte, angenehme und ungestörte Atmosphäre hat und vorher noch gut gelüftet wird. Die Kleidung ist locker, damit das Blut ungestört zirkulieren kann. Ein paar Lockerungs- oder Entspannungsübungen sind sinnvoll.  Für einen wachen Geist ist es auch wichtig, vorher nichts zu essen, was den Körper belastet, vielleicht etwas Wasser oder einen Tee trinken, möglicherweise auch ein Stück Obst essen.

Wann und wie oft Meditiert wird, muss jeder selbst für sich herausfinden, oft wird morgens meditiert, andere meditieren mehrmals am Tag. Die Sitzhaltung dabei ist individuell verschieden, wichtig ist eine aufrechte Sitzhaltung, damit der Atem frei fließen kann. Viele benutzen ein Sitzkissen oder eine kleine Sitzbank, die auf einer dicken, weichen Unterlage liegt. Wie hoch das Kissen oder die Bank ist, richtet sich nach der persönlichen Art zu sitzen. Ob wir in dem bekannten Lotussitz oder Schneidersitz sitzen ist von den körperlichen Möglichkeiten abhängig, unter Umständen reicht es auch, aufrecht auf einem Stuhl zu sitzen.

 Die 12 Sinne bei der Vorbereitung

Bei der Meditation haben alle 12 Sinne eine Aufgabe. Genau betrachtet ist es wichtig, dass die Sinne der unteren beiden Ebenen die Nutzung der beiden höchsten Sinne nicht stören oder behindern. Zunächst die körperlich-materielle Ebene. Der Tastsinn sorgt dafür, dass das Gewicht an die Unterlage abgegeben wird. Damit der Geschmackssinn nicht stört, ist es sinnvoll, für einen angenehmen Geschmack vorher die Zähne zu putzen oder den Mund zu spülen. Der Geruchssinn sollte mit einem angenehmen Geruch versorgt werden, vielleicht mit ein paar frischen Blumen, einer Duftlampe mit ätherischen Ölen oder auch mit einem angenehm riechenden Räucherstäbchen. Der Gleichgewichtssinn sorgt für die aufrechte Haltung, symbolisch hat das auch etwas mit ‚Aufrichtigkeit’ zu tun. Der Bewegungssinn achtet auf einen ruhigen Sitz. Der Lebenssinn hält die Körperfunktionen ruhig, damit der Magen nicht knurrt, der Fuß nicht juckt und wir dadurch nicht abgelenkt werden, ebenso steuert er unseren Atem soweit, bis der Lebenssinn das Atmen übernimmt und das Gefühl entsteht, dass ‚es uns atmet’.

Weiter zur geistig-energetischen Ebene. Beginnen wir mit dem Sehsinn. Speziell beim Meditieren mit geschlossenen Augen konzentriert sich der Sehsinn auf das innere Licht, wobei das so genannte „Dritte Auge“ beteiligt ist. Der innere Ton lässt sich mit dem Hörsinn wahrnehmen, wenn wir aufmerksam nach innen hören. Licht und Ton sind die beiden tragenden Säulen der Schöpfung. Der Wärmesinn schafft einen angenehmen Ausgleich der Körpertemperatur und bereitet mit seiner imaginativen Fähigkeit das Thema auf, über das wir meditieren wollen. Eine ähnliche Funktion hat der Wortesinn mit seiner Fähigkeit der Inspiration, damit wir der  Bedeutung des Themas schon näher kommen.

Kontemplation und Meditation

Kommen wir jetzt zur eigentlichen Meditation. Bevor wir in die Mediation gehen, ist es sinnvoll vorher noch über das Thema zu kontemplieren. Die Kontemplation erfolgt mit dem Gedankenwahrnehmungssinn, die Meditation mit dem Ich/Du-Sinn. Kontemplieren kommt vom lateini­schen Wort ‚contemplari’ und bedeutet betrachten. Bei der Kontemplation betrachten wir also das Thema und zwar von allen Seiten, aber ohne es zu bewerten, sachlich und neutral und übernehmen es anschließend in die Meditation. Wie uns der Ich/Du-Sinn in die Mitte einer Person führt, so führt uns die Meditation in die Mitte des Themas. Meditieren kommt von ‚meditari’, nachsinnen, und ‚medium’, Mitte. Wörtlich heißt es „in die Mitte gehen“, von lateinisch itari, die verstärkte Form von gehen und medium, die Mitte. Wir erfahren das Thema daher dann aus seiner Mitte heraus, sind mitten im Thema, sind sozusagen das Thema. Wie lange wir meditieren, ist nicht festgelegt, es hängt von der Person ab und der Art, wie sie meditiert.

Vielleicht ist jetzt der Eindruck entstanden, dass die Vorbereitung länger dauert als die eigentliche Meditation. Natürlich nicht, es bedarf max. ein paar Minuten, um zu beginnen. Hier hat es sich so angeboten, da wir die 12 Sinne in den lenzten Monaten ausführlich besprochen hatten.

Vielseitigkeit

Wie schon gesagt, gibt es hunderte von Arten und Techniken der Meditation, ob aktiv oder passiv, ob mit Rezitation und Singen von Mantras oder in absoluter Stille, ob geführt oder nicht geführt, ob mit Musik und Tanz oder als reines Gebet.

Die meisten Meditationsarten kommen aus der fernöstlichen Tradition wie Buddhismus, Tantra, Yoga, ZEN, fernöstliche Kampfkunst aber auch die christliche Tradition und die Anthroposophie finden bei uns Anwendung.

Forschung

Es gibt viele Forschungen im Rahmen der Meditation, zum Beispiel die Messung der Gehirnwellen. Schon in den 1960er Jahren hatten Messungen an meditierenden Yogis eine Hirnfrequenz von 12 Hz ergeben, also im Alpha-Bereich. In diesem Bereich findet auch das Superlearning statt. Ebenso fand Arnold Keyserling heraus, dass die Töne zur Stimulation der Chakras eine pentatonische Tonfolge mit dem Basiston von 12 Hz ergibt, auf dem die Prima Sounds aufbauen (im Gegensatz zu unserem normalen Tonsystem, das auf 16 Hz beruht im Beta-Bereich).

Bei hochkonzentrierten Meditationen kann es auch zu Gehirnfrequenzen im Gamma-Bereich über 30 Hz kommen. Der Gamma-Bereich geht bis in den Stress-Bereich hinauf bis 50 und  60 Hz.

Alle verfügbaren Beiträge (2017-2020) in der Gesamtübersicht.

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1 Kommentar zu „East meets West, Okzident trifft Orient / 1

  1. Danksagung an Peter W. Köhne
    für diesen ganzheitlich umfänglichen Beitrag. Das ist für mich der beste Blog des Jahres zu diesem kosmischen Thema.
    Mit Gassho
    Korai