Die 12 Sinne / Ich/Du-Sinn

Monatsbeitrag Dezember 2020: 12 Sinne des Menschen: Der Ich/Du-Sinn

Von Peter W. Köhne

 

 

Ich

 Wenn ich von mir spreche, sehe ich mich in diesem Moment als Mittelpunkt dessen, was ich sage oder schreibe. Ich verweise also immer jetzt, hier auf mich selbst. Dies ist aber nicht überall gleich. Ob in Psychologie, Theologie, Soziologie, Religion oder Esoterik kann ICH einen bestimmten Fachbegriff beschreiben. In der Psychoanalyse ist ICH eingebunden zwischen dem ES und dem Über-ICH. In der Transaktionsanalyse, die wir auch im Coaching einsetzen, werden Erwachsenen-ICH, Eltern-ICH und Kind-ICH unterschieden. Bei der Entwicklung eines Kindes, beginnt es nach ca. einem Jahr zu sprechen. Nachdem es sprechen gelernt hat,  bezeichnet es sich selbst in der ersten Zeit mit seinem eigenen Namen, bis es sich selbst als Ich entdeckt und von sich selbst als „Ich“ redet.

Der Ich-Sinn

 Mit dem Gedankenwahrnehmungssinn hatten wir bereits den außerstofflich seelisch-informationellen Bereich betreten. Dies ist der Bereich der Symbole, Ideen und Visionen ohne Begrenzung durch den Raum oder die Zeit. Der Ich-Sinn ist der zweite der beiden höchsten Sinne, die von dieser Existenzebene aus wirken. Daher bekommt das Ich des Ich-Sinns in dieser Ebene ein viel umfassenderes Ausmaß.

Der Ich-Sinn hat hier direkten Zugriff auf alle Informationen, die mit einer Person zusammenhängen, da in dieser Ebene alle inneren und äußeren Zusammenhänge abgespeichert sind, quasi das Morphische Gedächtnis, wie es Rupert Sheldrake nennt.

Wenn zwei Menschen sich begegnen, treffen in diesem Moment zwei Ich-Sinne aufeinander, deswegen auch Ich/Du-Sinn. Dabei findet bereits ein erster Abgleich von Informationen statt, der erkennen lässt, mit wem wir es zu tun haben. Da der Ich-Sinn ohne Begrenzungen wahrnehmen kann, erkennt er aus diesen Informationen und auch aus den Worten, der Mimik und Gestik der andern Person, wie ehrlich und authentisch diese Person ist.

Diese Wahrnehmung ist meistens nicht bewusst, zeigt sich aber daran, wie unsere innere Einstellung zum Anderen ist, das Gefühl und die Gedanken, die sich einstellen, Sympathie oder Antipathie, Vertrauen oder Misstrauen. Dabei spielen die anderen Sinne mit. Die Wahrnehmungen des Ich-Sinns sind wie ein Tast-Sinn auf höchster Ebene. Im Beitrag über die verbale Kommunikation hatte ich schon erwähnt, dass die Analyse der Rückwärtssprache die wahren Inhalte dessen, was gesagt wird, hörbar macht. Es ist einfach phantastisch, wie der Ich-Sinn unsere Sprache so steuert, dass wir rückwärts abgehört die Wahrheit sagen.

Im Anderen

Der Ich/Du-Sinn hat die Fähigkeit, sich mit dem Du, also dem Ich-Sinn eines Anderen, zu verbinden. Wir tauchen sozusagen in das andere Ich ein und erfahren diese Person von innen heraus. Als ich das erste Mal in das Ich meiner Partnerin eintauchte, war ich völlig überwältigt. Normalerweise heißt es in der Physik, das kein Gegenstand oder keine Person zur selben Zeit am selben Ort sein können. Mit dem Ich-Sinn ist das möglich, weil er außerhalb von Raum und Zeit wirkt. Im Anderen eingetaucht, erkennen wir deutlich, dass Andere anders sind, wir erkennen ihr wahres Wesen. Deshalb wird dieser Sinn auch gerne als Wesenssinn bezeichnet.

Hier eine kleine Geschichte dazu aus dem Buch „Mary“. Zwei Menschen waren sich in einem Erfahrungs-Camp so nahe gekommen, dass sie sich auch über den ich/Du-Sinn miteinander verbinden konnten. An einem Tag war Mary zu einer Schönheitsfarm gefahren, während ihr Partner lieber am Strand blieb. Als er so in der Sonne lag, wollte er ein bisschen in Mary eintauchen. Plötzlich verkrampfte sich sein Gesäß für eine Sekunde. Er schrak zurück. Als er es noch einmal versuchte, in sie einzutauchen, geschah das Gleiche, sein Gesäß verkrampfte sich für eine Sekunde und ließ dann wieder locker und das wiederholte sich ständig, bis er es aufgab. Als Mary zurück war, erzählte er ihr, was er erlebt hatte. Sie musste lauthals lachen und berichtete ihm, dass sie in dem Studio mit einem Reizstromgerät ihre Gesäßmuskulatur trainiert hatte.

Wacher Ich-Sinn

Die Fähigkeit, über den Ich-Sinn  in Andere bewusst einzutauchen, lässt sich üben, allerdings gelingt es nur wenigen Menschen, wenn überhaupt. Allerdings gibt es Menschen, die dies nur deswegen trainiert haben, um Andere zu manipulieren. Es sind Fälle von Sektenführern bekannt, die über diesen Weg in den Ich-Sinn der Mitglieder eingetaucht sind und Besitz von ihnen ergriffen haben.  Aber auch andere Einflüsse können eine Rolle spielen wie die Werbung, Fakenews oder Propaganda.

Wir können dem begegnen, indem wir unseren Ich-Sinn wach halten. Der Ich-Sinn hat eine gute Eigenschaft, die wir hierzu nutzen können. Er nutzt die Fähigkeit der Intuition, um uns wach zu halten und uns zu warnen, wenn jemand uns zu manipulieren versucht. Manche nennen es ihre „Innere Stimme“, andere „Bauchgefühl“. Wichtig ist, dass wir auf diese Impulse achten. Intuition ist die Intelligenz der Seele, heißt es, und wir sind mit dem Ich-Sinn auf dieser seelisch–informationellen Ebene. Von hier aus kommen diese Impulse, unseren Ich-Sinn wach zu halten und uns zu warnen. Wie schon beim  Gedankenwahrnehmungssinn ist die Intuition auch beim Ich/Du-Sinn eine besondere Eigenschaft.

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